Dienstag, 25. September 2018, 08:05 UTC+2

Sie sind nicht angemeldet.

  • Anmelden

Evangelisch-Lutherisch

Antworten im Thema: 258 » Der letzte Beitrag (3. August 2016, 19:56) ist von diaconus.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: KathVita. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

diaconus

Großmeister

Beiträge: 5 168

Aktivitätspunkte: 26 470

Level: 52 

Erfahrungspunkte: 14.287.862

Nächstes Level: 16.259.327

21

Sonntag, 16. Oktober 2011, 19:47

@ Teresa

Zitat

Leider gibt es jedoch in Bezug auf die Sakramente ein "Aber": es müßte die Amtsfrage geklärt werden.

Es ist nicht nur die Ämterfrage sondern ein ganze Reihe von theologischen Fragen, die zu klären sind, wobei zBspl. die Beichte von Luther sehr geschätzt und hochgehalten worden ist. Wichtig ist vor allem, dass die Eucharistie (Realpräsenz) nicht dem Abendmahl gleichgesetzt wird.

Was oft überhaupt bei der Reformation scheinbar unterschätzt wird ist das Werk/Wirken Phillip Melanchthons, der deren Systematik („Loci communes“) betrieben hat und von dem Luther selbst sagte. „Dieser kleine Grieche übertrifft mich sogar in der Theologie.“ Melanchthon lehrte nämlich Luther die griechische Sprache und animierte ihn (1521) die Bibel ins Deutsche zu übersetzen (Luther Bibel), wobei ab 1522 auch Melanchthon starken Einfluss nahm. Auch das Ausgsburger Bekenntnis stammt von ihm. 1518 wurde Melanchthon an die Wittenberger Universität durch den Kurfürsten Friedrich den Waisen berufen.

Hier stellt sich mir die Frage wie weit der Einfluss Melanchthons wirklich auf Luther war, denn dass auch die Landesherrn einen großen Einfluss auf Luther hatten, weil sie ihn schützten ist ja nicht ganz unbekannt. Denn viele der wirklich üblen Angriffe von Luther auf Papst und die römisch-katholische Kirche, wie zBspl. Galater-Kommentar, erfolgten erst nach 1519.
Preis den Herrn!

Teresa

Meister

Beiträge: 1 913

Aktivitätspunkte: 10 150

Level: 46 

Erfahrungspunkte: 5.288.130

Nächstes Level: 6.058.010

22

Montag, 17. Oktober 2011, 12:20

@ Teresa

Zitat

Leider gibt es jedoch in Bezug auf die Sakramente ein "Aber": es müßte die Amtsfrage geklärt werden.

Es ist nicht nur die Ämterfrage sondern ein ganze Reihe von theologischen Fragen, die zu klären sind, wobei zBspl. die Beichte von Luther sehr geschätzt und hochgehalten worden ist. Wichtig ist vor allem, dass die Eucharistie (Realpräsenz) nicht dem Abendmahl gleichgesetzt wird.

Was oft überhaupt bei der Reformation scheinbar unterschätzt wird ist das Werk/Wirken Phillip Melanchthons, der deren Systematik („Loci communes“) betrieben hat und von dem Luther selbst sagte. „Dieser kleine Grieche übertrifft mich sogar in der Theologie.“ Melanchthon lehrte nämlich Luther die griechische Sprache und animierte ihn (1521) die Bibel ins Deutsche zu übersetzen (Luther Bibel), wobei ab 1522 auch Melanchthon starken Einfluss nahm. Auch das Ausgsburger Bekenntnis stammt von ihm. 1518 wurde Melanchthon an die Wittenberger Universität durch den Kurfürsten Friedrich den Waisen berufen.

Hier stellt sich mir die Frage wie weit der Einfluss Melanchthons wirklich auf Luther war, denn dass auch die Landesherrn einen großen Einfluss auf Luther hatten, weil sie ihn schützten ist ja nicht ganz unbekannt. Denn viele der wirklich üblen Angriffe von Luther auf Papst und die römisch-katholische Kirche, wie zBspl. Galater-Kommentar, erfolgten erst nach 1519.


Ja, das ist klar, dass noch viele Fragen in der Ökumene zu klären wären, aber wir haben ja immerhin erkannt, an welcher Stelle man mit wem einen Anfang machen könnte! :)

Dass die Landesfürsten einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf Luther hatten, ist bekannt, wobei nähere Einzelheiten interessant wären. Mit der Person Melanchton bringst Du neue Aspekte ins Gespräch, dafür herzlichen Dank! Interessant wäre auch hier zu untersuchen, worauf er genau Einfluss nahm und wie weit sich dieser bei den Lutheranern durchgesetzt hat. Das ist sicher Stoff für eine Doktorarbeit, denn ich nehme an, dass die diesbezüglichen Aspekte noch nicht sehr gründlich erforscht worden sind. Sollte dies aber doch der Fall sein, lasse ich mich gerne belehren...

Die Lutherbibel ist sprachgewaltig, da kommt die blasse Einheitsübersetzung nicht mit. Insofern kann ich die evangelischen Christen verstehen, dass sie doch wieder zu "ihrer" Bibelübersetzung zurück gekehrt sind. Hinzu kommt, dass in der Einheitsübersetzung durch die "Glättung" der Sprache einige Sachverhalte unklarer geworden sind, so dass man dann doch wieder zu anderen Übersetzungen greifen muß. Aber die verschiedenen Bibelübersetzungen sind ein eigenes Thema, das wir dann im Bibel-Thread vertiefen können...
Obl.OSB

Gelobt sei Jesus Christus!

diaconus

Großmeister

Beiträge: 5 168

Aktivitätspunkte: 26 470

Level: 52 

Erfahrungspunkte: 14.287.862

Nächstes Level: 16.259.327

23

Mittwoch, 19. Oktober 2011, 18:20

Die Bibel ist in der Kirche nicht mehr verbindlich

lautet eine Meldung der Nachrichtenagentur idea vom 17. Oktober. Auf der Herbsttagung der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Nordelbischen Kirche stellte der Stuttgarter Theologieprofessor Rainer Mayer fest, dass es in der EKD kein verbindliches Bibelverständnis mehr gibt und „Die Kirche lässt sich weithin bestimmen durch die Strömungen der öffentlichen Meinungen und den Zeitgeist“. Weiters verwies Mayer vor rund 80 Teilnehmern vor allem auf das Pfarrdienstgesetz der EKD, das das Zusammenleben von homosexuellen Geistlichen im Pfarrhaus ermöglicht, sowie auf den Einfluss des „Gender Mainstreaming“, denn diese Ideologie wolle die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau überwinden und einen neuen Menschen schaffen, der seine sexuelle Identität selbst definiere. Aber die größte Gefahr sieht Mayer in einer unzureichenden Christusorientierung, etwa in der Infragestellung der Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu. Mayer im O-Ton: „Die Kirche von heute ist in ihrem Schrift- und Bekenntnisdefizit stärker bedroht als zu Zeiten des Dritten Reichs und der Bekennenden Kirche. Das Schlimme ist, dass die meisten es nicht bemerken, weil diese Bedrohung von innen kommt.“

Kommentar:
Professor Rainer Mayer bestätigt als Insider was ich auch schon hier im Forum wiederholt festgestellt habe, dass sich die EKD von der Schrift (sola scriptura) längst verabschiedet hat und dem Zeitgeist huldigt.
Preis den Herrn!

Teresa

Meister

Beiträge: 1 913

Aktivitätspunkte: 10 150

Level: 46 

Erfahrungspunkte: 5.288.130

Nächstes Level: 6.058.010

24

Donnerstag, 27. Oktober 2011, 12:19

Herr Dröge, der sich Bischof in der ev. Kirche nennt, hat nun sein vernichtendes Urteil über den Besuch des Papstes gefällt. Nachzulesen auf T-Online: http://regionales.t-online.de/bischof-dr…_50960576/index

Da frage ich mich, ob sich jemand eventuell zu wichtig nimmt? Und vor allem, ob er erstens die Rede vor dem Bundestag gehört (oder gelesen) und zweitens überhaupt verstanden hat?
Zur Nachhilfe für Herrn Dröge: Der Papst ist nicht gekommen, um die Ökumene zu feiern oder sogar die katholische Kirche zu protestantisieren. Er hat sich um die Ökumene bemüht, daher ja auch der Besuch in Erfurt, aber das eigentliche Anliegen war, die katholischen Christen wieder näher zu Christus zu führen! Daher auch das Wort von der "Entweltlichung der Kirche"!

Mit dieser Verlautbarung hat Herr Dröge der Ökumene geschadet! Wie kann man so überheblich sein zu meinen, die RKK müsse sich nach den evangelischen Christen, die in so viele einzelne Gruppierungen zersplittert sind, richten - und einen Kniefall vor der Reformation machen. Diese hat immerhin zu einer Spaltung der Kirche geführt und ist eher ein Grund zu Trauer als zu Beifall! :thumbdown: :( :thumbdown:
Obl.OSB

Gelobt sei Jesus Christus!

diaconus

Großmeister

Beiträge: 5 168

Aktivitätspunkte: 26 470

Level: 52 

Erfahrungspunkte: 14.287.862

Nächstes Level: 16.259.327

25

Donnerstag, 27. Oktober 2011, 13:01

Herr Dröge, der sich Bischof in der ev. Kirche nennt, hat nun sein vernichtendes Urteil über den Besuch des Papstes gefällt. Nachzulesen auf T-Online: http://regionales.t-online.de/bischof-dr…_50960576/index

Da frage ich mich, ob sich jemand eventuell zu wichtig nimmt? Und vor allem, ob er erstens die Rede vor dem Bundestag gehört (oder gelesen) und zweitens überhaupt verstanden hat?
Zur Nachhilfe für Herrn Dröge: Der Papst ist nicht gekommen, um die Ökumene zu feiern oder sogar die katholische Kirche zu protestantisieren. Er hat sich um die Ökumene bemüht, daher ja auch der Besuch in Erfurt, aber das eigentliche Anliegen war, die katholischen Christen wieder näher zu Christus zu führen! Daher auch das Wort von der "Entweltlichung der Kirche"!

Mit dieser Verlautbarung hat Herr Dröge der Ökumene geschadet! Wie kann man so überheblich sein zu meinen, die RKK müsse sich nach den evangelischen Christen, die in so viele einzelne Gruppierungen zersplittert sind, richten - und einen Kniefall vor der Reformation machen. Diese hat immerhin zu einer Spaltung der Kirche geführt und ist eher ein Grund zu Trauer als zu Beifall! :thumbdown: :( :thumbdown:


Wie ich schon auf Grund meiner Erfahrungen mit evangelisch Ordinierten wiederholt festgestellt habe, ist für diese Gemeinschaft Ökumene nur dort gegeben wo die RKK die evangelische Position annimmt. Die Evangelischen selbst sind im Rahmen der Ökumene keinen Schritt bereit in Richtung der Katholiken zu tun, obwohl sie es waren, die sich getrennt haben.

Wenn Herr Dröge meint, dass die Darstellung der europäischen Geistesgeschichte in der Bundestagsrede des Papstes "ganz ohne Reformationsgeschichte auskam", ist reinster Hochmut, der nur vom Widersacher Gottes ausgehen kann. Aber diese zeitgeistige EKD hat sich ja von Offenbarung und Glauben so weit entfernt, dass sie schon fast nicht mehr als wirklich christlich zu betrachten ist. Sie ist eher eine grünlinke Vorfeldorganisation der Christenfeinde geworden, wenn man so .manche Stellungsnahmen von Synodalen dieser Gemeinschaft liest. Herr Dröge meint ja auch, es gebe ein gutes praktisches Zusammenarbeitsklima, dass ist nur darauf zurückzuführen, dass katholischerseits viel von der Lehre der Kirche „verraten“ wird und jene in den Gremien sitzen, die die Hl. Mutter Kirche protestantieren wollen. Nur dies wird sich auf die Dauer nicht so abspielen, da jene rom-, papst- und lehramtstreue Katholiken die Konsequenzen ziehen werden und die Kathprotestanten ihrer Wegen ziehen lassen werden.
Preis den Herrn!

Teresa

Meister

Beiträge: 1 913

Aktivitätspunkte: 10 150

Level: 46 

Erfahrungspunkte: 5.288.130

Nächstes Level: 6.058.010

26

Montag, 31. Oktober 2011, 21:59

Reformationsfest

Heute Mittag habe ich im Radio zufällig noch das Ende eines Interviews mit Frau Käsmann gehört. Mich wundernd, weshalb sie nun auch noch interviewt wird, fiel mir ein, dass die Lutheraner ja heute das Reformationsfest feiern. Allerdings ist das bei uns inzwischen ebenfalls kein allgemeiner Feiertag mehr.
Der NDR hat entweder noch nicht gehört, dass Frau Käsmann nicht mehr im Amt ist oder die Verantwortlichen zählen zu ihren Anhängern. ?(
Mir fällt kein Grund ein, warum es nicht ein anderer offizieller Vertreter der ev.-luth. Kirche hätte sein können. Auffallend fand ich, dass Frau Käsmann alles auf sich bezogen hat und stets um ihre eigene Person gekreist ist. Vom Anlass für das Interview habe ich nichts gehört, aber das habe ich ja eventuell verpasst, weil ich nur die letzten 10 Minuten gehört habe.
Obl.OSB

Gelobt sei Jesus Christus!

Katrin

Anfänger

Beiträge: 13

Aktivitätspunkte: 65

Level: 21 

Erfahrungspunkte: 32.740

Nächstes Level: 38.246

27

Donnerstag, 3. November 2011, 08:26

Herr Dröge, der sich Bischof in der ev. Kirche nennt, hat nun sein vernichtendes Urteil über den Besuch des Papstes gefällt. Nachzulesen auf T-Online: http://regionales.t-online.de/bischof-dr…_50960576/index

Da frage ich mich, ob sich jemand eventuell zu wichtig nimmt? Und vor allem, ob er erstens die Rede vor dem Bundestag gehört (oder gelesen) und zweitens überhaupt verstanden hat?
Zur Nachhilfe für Herrn Dröge: Der Papst ist nicht gekommen, um die Ökumene zu feiern oder sogar die katholische Kirche zu protestantisieren. Er hat sich um die Ökumene bemüht, daher ja auch der Besuch in Erfurt, aber das eigentliche Anliegen war, die katholischen Christen wieder näher zu Christus zu führen! Daher auch das Wort von der "Entweltlichung der Kirche"!

Mit dieser Verlautbarung hat Herr Dröge der Ökumene geschadet! Wie kann man so überheblich sein zu meinen, die RKK müsse sich nach den evangelischen Christen, die in so viele einzelne Gruppierungen zersplittert sind, richten - und einen Kniefall vor der Reformation machen. Diese hat immerhin zu einer Spaltung der Kirche geführt und ist eher ein Grund zu Trauer als zu Beifall! :thumbdown: :( :thumbdown:


Also ich versteh die Aufregung über die Meinung des evangelischen Bischofs nicht. Gut, ob der Papst die Reformation in der Bundestagsrede erwähnt oder nicht, ist imho so ziemlich Banane. Aber wenn er meint, dass der Papstbesuch für die Ökumene nichts gebracht hat, dann hat er warscheinlich Recht. Der EKD Präses war wohl von der menschlichen Begegnung ganz berührt, aber mehr war ja auch nicht. Es war ja wohl auch nicht mal eine Stunde dafür Zeit, da kann ja auch gar nicht mehr passieren.
Bischof Dröge hat doch auch gar nicht gefordert, die katholische Kirche zu protestantisieren.
Wozu also diese gereizte Reaktion, Teresa?

Katrin

Anfänger

Beiträge: 13

Aktivitätspunkte: 65

Level: 21 

Erfahrungspunkte: 32.740

Nächstes Level: 38.246

28

Donnerstag, 3. November 2011, 08:39

RE: Reformationsfest

Heute Mittag habe ich im Radio zufällig noch das Ende eines Interviews mit Frau Käsmann gehört. Mich wundernd, weshalb sie nun auch noch interviewt wird, fiel mir ein, dass die Lutheraner ja heute das Reformationsfest feiern. Allerdings ist das bei uns inzwischen ebenfalls kein allgemeiner Feiertag mehr.
Der NDR hat entweder noch nicht gehört, dass Frau Käsmann nicht mehr im Amt ist oder die Verantwortlichen zählen zu ihren Anhängern. ?(
Mir fällt kein Grund ein, warum es nicht ein anderer offizieller Vertreter der ev.-luth. Kirche hätte sein können. Auffallend fand ich, dass Frau Käsmann alles auf sich bezogen hat und stets um ihre eigene Person gekreist ist. Vom Anlass für das Interview habe ich nichts gehört, aber das habe ich ja eventuell verpasst, weil ich nur die letzten 10 Minuten gehört habe.

Teresa, wenn du über den Anlass des Interviews und den Inhalt nichts zu sagen weißt, warum schreibst du denn was dazu? Was ist der Punkt, über den wir hier diskutieren sollen?

Teresa

Meister

Beiträge: 1 913

Aktivitätspunkte: 10 150

Level: 46 

Erfahrungspunkte: 5.288.130

Nächstes Level: 6.058.010

29

Donnerstag, 3. November 2011, 12:35

Herr Dröge, der sich Bischof in der ev. Kirche nennt, hat nun sein vernichtendes Urteil über den Besuch des Papstes gefällt. Nachzulesen auf T-Online: http://regionales.t-online.de/bischof-dr…_50960576/index

Da frage ich mich, ob sich jemand eventuell zu wichtig nimmt? Und vor allem, ob er erstens die Rede vor dem Bundestag gehört (oder gelesen) und zweitens überhaupt verstanden hat?
Zur Nachhilfe für Herrn Dröge: Der Papst ist nicht gekommen, um die Ökumene zu feiern oder sogar die katholische Kirche zu protestantisieren. Er hat sich um die Ökumene bemüht, daher ja auch der Besuch in Erfurt, aber das eigentliche Anliegen war, die katholischen Christen wieder näher zu Christus zu führen! Daher auch das Wort von der "Entweltlichung der Kirche"!

Mit dieser Verlautbarung hat Herr Dröge der Ökumene geschadet! Wie kann man so überheblich sein zu meinen, die RKK müsse sich nach den evangelischen Christen, die in so viele einzelne Gruppierungen zersplittert sind, richten - und einen Kniefall vor der Reformation machen. Diese hat immerhin zu einer Spaltung der Kirche geführt und ist eher ein Grund zu Trauer als zu Beifall! :thumbdown: :( :thumbdown:


Also ich versteh die Aufregung über die Meinung des evangelischen Bischofs nicht. Gut, ob der Papst die Reformation in der Bundestagsrede erwähnt oder nicht, ist imho so ziemlich Banane. Aber wenn er meint, dass der Papstbesuch für die Ökumene nichts gebracht hat, dann hat er warscheinlich Recht. Der EKD Präses war wohl von der menschlichen Begegnung ganz berührt, aber mehr war ja auch nicht. Es war ja wohl auch nicht mal eine Stunde dafür Zeit, da kann ja auch gar nicht mehr passieren.
Bischof Dröge hat doch auch gar nicht gefordert, die katholische Kirche zu protestantisieren.
Wozu also diese gereizte Reaktion, Teresa?


Tja, vielleicht habe ich die Aussagen von Herrn Dröge zu wichtig genommen. Allerdings ist es wichtig, auch zu sehen, was hinter den Worten Herrn Dröges stand: nämlich eine bestimmte Erwartungshaltung in Richtung Papst und katholische Kirche. Da diese nicht erfüllt worden ist, äußert er seine Enttäuschung.

Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass sich die Katholiken nicht in die Belange der evangelischen Christen einmischen, aber die offiziellen Vertreter der evangelischen Christen recht häufig meinen besser zu wissen, was die katholische Kirche tun sollte?
Nein, Herr Dröge hat vordergründig nicht gefordert, die katholische Kirche zu protestantisieren, aber er hatte die Erwartungshaltung, dass der Papst "mit einem Paukenschlag" sozusagen eine neue Aera in der Ökumene einleiten würde, indem er die Wichtigkeit der Reformation hätte entsprechend würdigen sollen. Und das hat der Papst nicht getan - was aus Sicht der katholischen Kirche mehr als nachvollziehbar ist.

Und es ist ein Unterschied, ob einer etwas in einer Gesprächsrunde oder in einem Forum sagt, oder ob er es sozusagen als offizielle Verlautbarung verkündet.

Ich denke, dass Kritik am Verhalten von Vertretern anderer Denominationen durchaus erlaubt ist.
Obl.OSB

Gelobt sei Jesus Christus!

Teresa

Meister

Beiträge: 1 913

Aktivitätspunkte: 10 150

Level: 46 

Erfahrungspunkte: 5.288.130

Nächstes Level: 6.058.010

30

Donnerstag, 3. November 2011, 12:44

RE: RE: Reformationsfest

Heute Mittag habe ich im Radio zufällig noch das Ende eines Interviews mit Frau Käsmann gehört. Mich wundernd, weshalb sie nun auch noch interviewt wird, fiel mir ein, dass die Lutheraner ja heute das Reformationsfest feiern. Allerdings ist das bei uns inzwischen ebenfalls kein allgemeiner Feiertag mehr.
Der NDR hat entweder noch nicht gehört, dass Frau Käsmann nicht mehr im Amt ist oder die Verantwortlichen zählen zu ihren Anhängern. ?(
Mir fällt kein Grund ein, warum es nicht ein anderer offizieller Vertreter der ev.-luth. Kirche hätte sein können. Auffallend fand ich, dass Frau Käsmann alles auf sich bezogen hat und stets um ihre eigene Person gekreist ist. Vom Anlass für das Interview habe ich nichts gehört, aber das habe ich ja eventuell verpasst, weil ich nur die letzten 10 Minuten gehört habe.

Teresa, wenn du über den Anlass des Interviews und den Inhalt nichts zu sagen weißt, warum schreibst du denn was dazu? Was ist der Punkt, über den wir hier diskutieren sollen?


Es ging mir, wie Du in meinem Beitrag lesen kannst, um die Person Frau Margot Käsmann. Diese Frau ist als ev. Bischöfin zurückgetreten, als immer mehr von ihrem gar nicht so vorbildlichen Verhalten ans Tageslicht kam. Gut, Schwächen haben wir alle, die gestehe ich selbstverständlich auch Frau Käsmann zu. Was ich mit meinem Beitrag ausdrücken wollte, war, dass ich das Aufhebens, das man heute noch um Frau Käsmann macht, nicht verstehen kann. Sie ist nicht mehr die offizielle Sprecherin der ev.-luth. Kirche - und wird von einigen Leuten offensichtlich jedoch noch als eine solche angesehen.
Obl.OSB

Gelobt sei Jesus Christus!

diaconus

Großmeister

Beiträge: 5 168

Aktivitätspunkte: 26 470

Level: 52 

Erfahrungspunkte: 14.287.862

Nächstes Level: 16.259.327

31

Samstag, 5. November 2011, 17:13

Ist das Nein zur Homosexualität in der Bibel überholt?

Wie die Nachrichtenagentur idea meldet hat der Marburger Alttestamentler, Prof. Erhard S. Gerstenberger in einem Vortrag am 3. November im mittelhessischen Dillenburg festgestellt, dass die ablehnenden Aussagen zur Homosexualität im Alten Testament genau so überholt sind wie etwa das Verbot Schweinefleisch zu essen, denn jede Generation müsse in Verantwortung vor Gott selbst herausfinden, was für sie gültig sei. Von den rd. 50 Anwesenden hat er teilweise scharfen Widerspruch erhalten. Wie er gegenüber idea sagte, hätten ihm in Dillenburg zwar zahlreiche Besucher widersprochen, weil für sie die Bibel in allen Aussagen gültig sei, doch eine „totale Konfrontation“ habe es nicht gegeben.

Kommentar:
Als Theologe muss ich feststellen, dass der professorale Alttestamentler scheinbar keine Ahnung von dem hat, was Jesus im NT sagte, denn dieser hat deutlich festgestellt: „Denkt nicht, ich sei gekommen das Gesetz und die Propheten aufzuheben.“ (Mt 5,17). Weiters scheint der Herr Professor auch die Vision des Petrus in Joppe nicht zu kennen, wo Gott dem Petrus erklärt hat, was ER für rein erklärt habe, soll Petrus nicht unrein nennen. (Apg 10,9-16). Also gilt das Verbot der Homosexualität noch immer und das Verbot des Schweinefleisch-Essens (Vierfüßler) ist aufgehoben. Wenn der Herr Professor glaubt feststellen zu müssen, dass jede Generation herausfinden müssen was für sie gültig sei, dann lehrt er, dass er eigentlich die Bibel, das Wort Gottes, ablehnt, und vertritt eine atheistische humanistische Ansicht, wo sich jeder die Regeln selbst nach dem Mainstream machen kann. Da sollte er soviel Charakter haben, die Konsequenzen ziehen und die Theologie auf den Nagel hängen, aber sicher lebt er gut von der staatlichen Bezahlung. Außerdem zeigt sich seine Geisteshaltung auch daran, dass es zwar Widerspruch für ihn gegeben habe, doch die „totale Konfrontation“ habe es nicht gegeben. Was wäre die „totale Konfrontation“ gewesen? Wenn der Professor geschlagen oder mit Eiern beworfen worden wäre oder ähnlichem? Dazu muss man sagen, dass die Anwesenden in ihrer Haltung christlicher waren als der Herr Professor dessen Christentum scheinbar nur mehr am Papier steht.
Preis den Herrn!

diaconus

Großmeister

Beiträge: 5 168

Aktivitätspunkte: 26 470

Level: 52 

Erfahrungspunkte: 14.287.862

Nächstes Level: 16.259.327

32

Sonntag, 6. November 2011, 17:29

Wieder Angriffe gegen den Papst

Die Nachrichtenagentur idea berichtet seit gestern über die EKD-Synode in Magdeburg. Und wie üblich werden von maßgebenden evangelischen „Bischöfen“, die nur gewählte Oberprediger sind, Angriffe gegen den Papst gestartet weil er nicht das tut was diese ihm vorschreiben wollen.

So hat gestern, den 5. November, der Catholica-Bauftragte der der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber (Wolfenbüttel), gemeint, dass schnelle und spektakuläre Durchbrüche in der evangelisch-katholischen Ökumene nicht in Sicht sind. Und bezüglich der konfessionsverschiedenen Ehepaare, die nicht gemeinsam an der katholischen Eucharistie teilnehmen dürfen, habe der Papst keine Worte gefunden; nicht einmal ein:: „Versteht es doch: Wir, die katholische Kirche, können nicht anders!“

Und heute, 6. 11., meinte der EKD-Ratsvorsitzende Präses Nikolaus Schneider, dass das Treffen mit dem Papst zwiespältige Eindrücke hinerlassen habe. Das Erfurter Treffen sei zwar von „geschwisterlichen Geist“ geprägt gewesen. Der Papst habe zwar bei der Begegnung hinter verschlossenen Türen die lebenslange Suche des Reformators Martin Luther (1483-1546) nach einem gnädigen Gott gewürdigt und die ökumenische Gemeinsamkeit in der Ausrichtung auf Christus betont, aber beim Gottesdienst betont habe, dass er keine Gastgeschenke zu verteilen habe. .Schneider wörtlich: „Gastgeschenke hat niemand erwartet, wohl aber inhaltliche Impulse. Konkrete und ermutigende Anstöße für die ökumenisch-theologische Weiterarbeit in den Fragen des Amts- und Kirchenverständnisses blieben aus.“ sowie „Uns geht es um das rechte Verständnis der Schrift und Lehre und damit um die konkrete Wahrheit des Evangeliums, wenn wir ökumenische Gespräche führen.“ Außerdem wehrte sich Schneider gegen die Warnung vor einer „Verweltlichung“ der Kirche. Gott sei in Christus zur Welt gekommen: „Deshalb leben wir unseren christlichen Glauben nicht weltfremd und nicht weltflüchtig, sondern weltverantwortlich und weltdurchdringend.“

Kommentar:
Die EKD kann es nicht lassen und sie beweist immer wieder, dass Ökumene nur in der von ihnen vertretenen Ansicht akzeptiert und der 'Papst angegriffen wird. Zu den Worten des Herrn Friedrich Weber, dass der Papst zu den konfessionsverschiedenen Ehen kein Wort gesagt hat, sei festgestellt, dass was sowieso klar ist nicht besonders zu erwähnen ist und der Hl. Vater sich auch nicht dafür entschuldigen muss.

Wenn es Präses Schneider um „das rechte Verständnis der Schrift und Lehre und um die konkrete Wahrheit des Evangeliums“ geht, dann sollte er zuerst auf jene evangelische Theologen schauen, die noch eindeutig in Schrift und Lehre stehen und die EKD-Auslegungen immer wieder kritisieren. Dass Schneider für die Verweltlichung der Kirche ist, dass zeigen ja die Verstöße der EKD gegen die Heilige Schrift wie Homo-Segnungen, PID u. ä., die auch innerhalb der evangelischen Gemeinschaften zu Zerreißproben mit den schrifttreuen Denominationen führen. Also ist die EKD ausgesprochen zeitgeistig und damit im Widerspruch zu den Worten Jesu: „Sie (die Gläubigen) sind nicht von dieser Welt, darum hasst euch die Welt“ (vgl. Joh 15,19)

Und zum unterschiedlichen Amts- und Kirchenverständnis: Dafür hat schon Luther gesorgt, in dem er die Weihe als Sakrament abgeschafft hat sowie immer nur von der Gemeinde und nicht von Kirche gesprochen hatte. Er hat damit eindeutig die Worte der Schrift verlassen, dass „Du bist Petrus“ (Mt 16,18 ) und somit 1.500 Jahre gemeinsame Kirchengeschichte weggewischt. Außerdem wird ja auch die Patristik weitgehend weggewischt; sie ist ja auch der Bereich, der u. a. immer wieder Menschen zur Rückkehr (Newman, Scott Hahn u. a.) in die Hl. Mutter Kirche geführt hat, den „Ubi Petrus, ibi ecclesia“ (Ambrosius) aufgrund der Hl. Schrift ist noch immer gültig.
Preis den Herrn!

Beiträge: 12

Aktivitätspunkte: 60

Level: 21 

Erfahrungspunkte: 30.924

Nächstes Level: 38.246

33

Dienstag, 8. November 2011, 08:10

RE: Wieder Angriffe gegen den Papst

So hat gestern, den 5. November, der Catholica-Bauftragte der der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber (Wolfenbüttel), gemeint, dass schnelle und spektakuläre Durchbrüche in der evangelisch-katholischen Ökumene nicht in Sicht sind. Und bezüglich der konfessionsverschiedenen Ehepaare, die nicht gemeinsam an der katholischen Eucharistie teilnehmen dürfen, habe der Papst keine Worte gefunden; nicht einmal ein:: „Versteht es doch: Wir, die katholische Kirche, können nicht anders!“

Und heute, 6. 11., meinte der EKD-Ratsvorsitzende Präses Nikolaus Schneider, dass das Treffen mit dem Papst zwiespältige Eindrücke hinerlassen habe. Das Erfurter Treffen sei zwar von „geschwisterlichen Geist“ geprägt gewesen. Der Papst habe zwar bei der Begegnung hinter verschlossenen Türen die lebenslange Suche des Reformators Martin Luther (1483-1546) nach einem gnädigen Gott gewürdigt und die ökumenische Gemeinsamkeit in der Ausrichtung auf Christus betont, aber beim Gottesdienst betont habe, dass er keine Gastgeschenke zu verteilen habe. .Schneider wörtlich: „Gastgeschenke hat niemand erwartet, wohl aber inhaltliche Impulse. Konkrete und ermutigende Anstöße für die ökumenisch-theologische Weiterarbeit in den Fragen des Amts- und Kirchenverständnisses blieben aus.“ sowie „Uns geht es um das rechte Verständnis der Schrift und Lehre und damit um die konkrete Wahrheit des Evangeliums, wenn wir ökumenische Gespräche führen.“

Warum werten Sie die Benennung von Sachverhalten, nämlich dass es inhaltlich zwischen evangelischer und katholischer Kirche keinen Fortschritt gibt oder auch die Äußerung von Hoffnungen und Enttäuschungen als einen feindseligen "Angriff"? Aus denen von Ihnen zitierten Passagen kann ich nichts Böswilliges herauslesen.

Ehrlichkeit und Offenheit sind Tugenden, in den brennenden Fragen der Ökumene sind sie Grundbedingungen des zwischenkirchlichen Gespräches. Weder Totschweigen noch salbungsvolles Vernebeln der Schwierigkeiten helfen weiter.

Beiträge: 12

Aktivitätspunkte: 60

Level: 21 

Erfahrungspunkte: 30.924

Nächstes Level: 38.246

34

Dienstag, 8. November 2011, 08:19

RE: Wieder Angriffe gegen den Papst

...maßgebenden evangelischen „Bischöfen“, die nur gewählte Oberprediger sind,...
:pinch: :thumbdown:

Dieser Satz ist in etwa so geistreich wie die Behauptung, in Österreich gäbe es keine Bäckermeister, sondern nur Oberteigkneter und Ofenschieber, denn die hätten ja keinen Meisterbrief der deutschen Bäckerinnung. :pinch: :evil: :P

diaconus

Großmeister

Beiträge: 5 168

Aktivitätspunkte: 26 470

Level: 52 

Erfahrungspunkte: 14.287.862

Nächstes Level: 16.259.327

35

Dienstag, 8. November 2011, 10:29

RE: RE: Wieder Angriffe gegen den Papst

...maßgebenden evangelischen „Bischöfen“, die nur gewählte Oberprediger sind,...
:pinch: :thumbdown:

Dieser Satz ist in etwa so geistreich wie die Behauptung, in Österreich gäbe es keine Bäckermeister, sondern nur Oberteigkneter und Ofenschieber, denn die hätten ja keinen Meisterbrief der deutschen Bäckerinnung. :pinch: :evil: :P

Danke für die „Blumen“ mit dem Begriff „geistreich.“ Wer wirklich intelligent ist, kann Wahrheit und Kritik vertragen, die durch die Heilige Schrift und 2.000 jährige Tradition fundiert ist, ohne gleich „Blumen“ zu verteilen.

Nachdem Luther das Weihesakrament abgeschafft hast gibt es keine Weihe und damit kein Weiheamt sondern nur Ordinierte, die Laien sind also Prediger, da sie keine Weihe haben.

Eine sehr ausführliche Stellungnahme dazu im „Ökumene-Thread.“
Preis den Herrn!

Beiträge: 12

Aktivitätspunkte: 60

Level: 21 

Erfahrungspunkte: 30.924

Nächstes Level: 38.246

36

Dienstag, 8. November 2011, 12:06

RE: RE: RE: Wieder Angriffe gegen den Papst

...maßgebenden evangelischen „Bischöfen“, die nur gewählte Oberprediger sind,...
:pinch: :thumbdown:

Dieser Satz ist in etwa so geistreich wie die Behauptung, in Österreich gäbe es keine Bäckermeister, sondern nur Oberteigkneter und Ofenschieber, denn die hätten ja keinen Meisterbrief der deutschen Bäckerinnung. :pinch: :evil: :P

Danke für die „Blumen“ mit dem Begriff „geistreich.“ Wer wirklich intelligent ist, kann Wahrheit und Kritik vertragen, die durch die Heilige Schrift und 2.000 jährige Tradition fundiert ist, ohne gleich „Blumen“ zu verteilen.

Nachdem Luther das Weihesakrament abgeschafft hast gibt es keine Weihe und damit kein Weiheamt sondern nur Ordinierte, die Laien sind also Prediger, da sie keine Weihe haben.

Zwar gibt es in der evangelischen Kirche keinen Klerus, aber durchaus Bischöfe. Wer in einer bestimmten Konfession ein Amt hat, wir er eingesetzt wird und wie das Amt bezeichnet wird, mögen die Angehörigen der jeweiligen Konfession selbst entscheiden und nicht irgendwer anders.

Teresa

Meister

Beiträge: 1 913

Aktivitätspunkte: 10 150

Level: 46 

Erfahrungspunkte: 5.288.130

Nächstes Level: 6.058.010

37

Samstag, 12. November 2011, 13:31

Dietrich Bonhoeffer

Ein Vorbild im Glauben - nicht nur für evangelische Christen - ist Dietrich Bonhoeffer.
Wie schon im Literatur-Thread kurz vorgestellt, gibt es nun eine umfassende Biographie dieses heiligmäßigen Menschen, der sich der bekennenden Kirche angeschlossen hatte, geschrieben von dem Amerikaner Eric Metaxas, übersetzt aus dem Englischen von Friedemann Lux und bearbeitet (die deutsche Fassung) von dem Bonhoeffer-Experten Rainer Mayer.

Dieses Buch eignet sich nicht nur für Kenner sondern auch für Leute, die sich ganz neu mit Bonhoeffer beschäftigen möchten.
Obl.OSB

Gelobt sei Jesus Christus!

diaconus

Großmeister

Beiträge: 5 168

Aktivitätspunkte: 26 470

Level: 52 

Erfahrungspunkte: 14.287.862

Nächstes Level: 16.259.327

38

Sonntag, 13. November 2011, 16:46

Bonhoeffer-Biographie

In der Bonhoeffer-Biographie habe ich nunmehr die mehrmonatige Rom-Reise (1924) gelesen, wo er auch an den liturgischen Karwochen-Feiern der katholischen Kirche teilnahm und er positive Aspekte mitnahm, die ihn nachdenklich stimmten und die er dann in seiner Dissertation, Sanctorum Communio, als auch in seiner Habilitationsschrift, Akt und Sein, mitberücksichtigte (S. 78ff). Ein weiterer Grund für die Offenheit Bonhoeffers gegenüber dem Katholizismus könnte auch in Adolf Schlatter, seinem Dozenten an der Uni Tübingen begründet sein, der versuchte das „Recht der natürlichen Gemeinschaft“ für die evangelische Ethik wiederzugewinnen, wie auch Bonhoeffer versuchte in seiner „Ethik“ ein Kapitel über das „Natürliche“ verfasste, wobei er das Natürliche stärker mit der Christologie zu verbinden versuchte (S. 79).

In seinem Reisetagebuch verweist er bereits auf das Problem der evangelischen Landeskirchen, die zu staatsnah geworden sind und schreibt darüber:
„Wäre die (die Kirche der Reformation) nie Landeskirche geworden, läge die Sache weit anders. ...... Die Landeskirche muss sich jedenfalls, so bald wie möglich ganz vom Staat trennen....“ (S. 80)

Kommentar:

Das Naturrecht spielt in der Ethik und der katholischen Theologie eine wichtige Rolle. Außerdem ist mir beim Lesen dieser Seiten klar geworden, warum faktisch alle der evangelischen Ordinierten aus der österreichischen Landeskirche, mit denen ich in der ökumenischen KH-Seelsorge (1992 – 2008) zusammengekommen bin, von Bonhoeffer ohne eine Begründung zu geben „nicht begeistert“ waren und ihn tlw. sogar massiv ablehnten, wenn ich die Sprache auf ihn brachte. Bonhoeffer scheint also für gewisse Kreise der Landeskirchen auch heute noch ein Problem zu sein. Warum wohl? Das Buch scheint eine gewisse Antwort darauf zu geben und lehrt mich ihn noch mehr als bisher zu schätzen. Mit ihm hätte ich mir eine fruchtbare Ökumene vorstellen können.
Preis den Herrn!

Teresa

Meister

Beiträge: 1 913

Aktivitätspunkte: 10 150

Level: 46 

Erfahrungspunkte: 5.288.130

Nächstes Level: 6.058.010

39

Sonntag, 13. November 2011, 18:36

RE: Bonhoeffer-Biographie

In der Bonhoeffer-Biographie habe ich nunmehr die mehrmonatige Rom-Reise (1924) gelesen, wo er auch an den liturgischen Karwochen-Feiern der katholischen Kirche teilnahm und er positive Aspekte mitnahm, die ihn nachdenklich stimmten und die er dann in seiner Dissertation, Sanctorum Communio, als auch in seiner Habilitationsschrift, Akt und Sein, mitberücksichtigte (S. 78ff). Ein weiterer Grund für die Offenheit Bonhoeffers gegenüber dem Katholizismus könnte auch in Adolf Schlatter, seinem Dozenten an der Uni Tübingen begründet sein, der versuchte das „Recht der natürlichen Gemeinschaft“ für die evangelische Ethik wiederzugewinnen, wie auch Bonhoeffer versuchte in seiner „Ethik“ ein Kapitel über das „Natürliche“ verfasste, wobei er das Natürliche stärker mit der Christologie zu verbinden versuchte (S. 79).

In seinem Reisetagebuch verweist er bereits auf das Problem der evangelischen Landeskirchen, die zu staatsnah geworden sind und schreibt darüber:
„Wäre die (die Kirche der Reformation) nie Landeskirche geworden, läge die Sache weit anders. ...... Die Landeskirche muss sich jedenfalls, so bald wie möglich ganz vom Staat trennen....“ (S. 80)

Kommentar:

Das Naturrecht spielt in der Ethik und der katholischen Theologie eine wichtige Rolle. Außerdem ist mir beim Lesen dieser Seiten klar geworden, warum faktisch alle der evangelischen Ordinierten aus der österreichischen Landeskirche, mit denen ich in der ökumenischen KH-Seelsorge (1992 – 2008) zusammengekommen bin, von Bonhoeffer ohne eine Begründung zu geben „nicht begeistert“ waren und ihn tlw. sogar massiv ablehnten, wenn ich die Sprache auf ihn brachte. Bonhoeffer scheint also für gewisse Kreise der Landeskirchen auch heute noch ein Problem zu sein. Warum wohl? Das Buch scheint eine gewisse Antwort darauf zu geben und lehrt mich ihn noch mehr als bisher zu schätzen. Mit ihm hätte ich mir eine fruchtbare Ökumene vorstellen können.


Ja, mir geht es auch so, dass ich mir mit solchen gläubigen ev. Christen eher eine fruchtbare Ökumene vorstellen kann - obwohl ich das Buch über Bonhoeffers Leben noch nicht gelesen sondern erst neugierig darin geblättert habe.

Es erstaunt mich jedoch schon, dass ein solcher gläubiger Mensch wie Bonhoeffer von ev. Christen abgelehnt werden kann, statt froh zu sein, dass es auch in ihren Reihen einen solchen heiligmäßigen Menschen gegeben hat. Diese gläubigen ev. Christen werden dann anscheinend von kath. Christen mehr geschätzt als von den Leuten ihrer eigenen Konfession. ?(

Aber zuweilen wird Bonhoeffer auch von kath. Christen abgelehnt, weil er angeblich (oder wirklich?) meinte, auf Kirche verzichten zu können. @ Diaconus, kennst Du einen solchen Ausspruch Bonhoeffers? Könnte es eventuell sein, dass dieser aus dem Zusammenhang gerissen wurde und seine eigentliche Bedeutung eine andere war, die sich aus dem Kontext ergibt? ?(
Obl.OSB

Gelobt sei Jesus Christus!

diaconus

Großmeister

Beiträge: 5 168

Aktivitätspunkte: 26 470

Level: 52 

Erfahrungspunkte: 14.287.862

Nächstes Level: 16.259.327

40

Sonntag, 13. November 2011, 19:23

@ Teresa

Zitat

Aber zuweilen wird Bonhoeffer auch von kath. Christen abgelehnt, weil er angeblich (oder wirklich?) meinte, auf Kirche verzichten zu können. @ Diaconus, kennst Du einen solchen Ausspruch Bonhoeffers? Könnte es eventuell sein, dass dieser aus dem Zusammenhang gerissen wurde und seine eigentliche Bedeutung eine andere war, die sich aus dem Kontext ergibt?

Auch hier ist im Abschnitt „Was ist Kirche?“ (S. 77ff), dem ich den vorigen Post entnommen habe, eine Antwort enthalten. Ich zitiere aus dem Buch, das den Text aus Bonhoeffers Werken entnommen hat: „Fabelhaft wirkt die Universalität der Kirche. Weiße, Schwarze, Gelbe, alle in geistlichen Trachten vereint unter der Kirche, scheint doch sehr ideal.“ Dieser Gedanke der Universalität der Kirche sollte Bonhoeffers Leben und Denken zutiefst verändern und prägen. Er schreibt auch in seinen Werken: „Die katholische Dogmatik verhängt alles Ideale am Katholizismus, ohne es zu wissen. Beichte und Beichtdogmatik ist ein gewaltiger Unterschied. „Kirche“ und „Kirche“ in der Dogmatik leider ebenso.“ Er dachte nie daran zu konvertieren. Aber im Buch wird berichtet, dass Bonhoeffer das Beste aus beiden Konfessionen in seinen Gemeinschaften in Zingst und Finkenwald zusammenführen wird – und dafür von vielen Christen in Deutschland heftig kritisiert werden wird.

Er, Bonhoeffer, hat also damals bereits eine Art Ökumene versucht, aber auf Kirche, die sicher nicht jener der Landeskirchen entspricht, verzichtete er nicht. Dass auch Katholiken Bonhoeffer ablehnen, ergibt sich schon aus den konfessionellen Unterschieden und auch dem oben zitierten Text über die Dogmatik, das ist mir klar. Aber wenn ich auch, wie Du weißt, streng in der Lehre der katholischen Kirche stehe, so bin ich offen genug, das Bemühen jener zu akzeptieren, die sich genau an die Schrift („sola scriptura“) halten, danach leben und nicht mit der Schrift im Zeitgeist Purzelbäume schlagen. Du weißt, ich schätze Pietisten und die „Bekennende Kirche.“ Vielleicht bin ich einer von wenigen Katholiken, die Bonhoeffer wirklich schätzen, aber dazu stehe ich trotzdem.
Preis den Herrn!